Konzert : Barbara Morgenstern
Support: Hundreds
Mi. 28. Januar 2009
21 Uhr
Beatboxwww.barbaramorgenstern.de
Manche Genrebezeichnungen sind echt blöde. Beispiel: Barbara Morgenstern wurde zu Beginn ihrer Karriere als "Wohnzimmerpop" bezeichnet, also einer Szene zugerechnet, die Mitte der 90er Berliner Wohnungen zu Clubs umfunktionierte und dort eine Mischung aus Elektro, LoFi und Singer/Songwriter-Pop fabrizierte. Jetzt, fünf CDs später, hat sich Morgensterns Sound gar nicht massiv geändert - aber kaum etwas ist bei Licht betrachtet so weit entfernt vom Wohnzimmer wie die Songs aus "BM". Schuld tragen die Arrangements. Echtes Schlagzeug und Streicher benötigen halt eine Quadratmeterzahl, die handelsübliche Wohnzimmer selten bieten. Außerdem hat Morgenstern ihre Vermona-Heimorgel mittlerweile ganz durch einen Konzertflügel ersetzt; der nimmt auch Platz weg. Ansonsten aber macht sie, was sie am Besten kann: verinnerlichte Chansons schreiben, mal gallig, mal gespenstisch, mal hell. Und sie hat sich einen lange gehegten Traum erfüllt: Für "Camouflage" hat Morgenstern mit dem absoluten Ausnahmekünstler Robert Wyatt zusammengearbeitet und das passt nun wohl wirklich ausgezeichnet zusammen. Wobei die Musik insgesamt so unberechenbar und vielseitig ist wie nie. Hin und wieder zerreißt außerdem eine Sonic-Youth-ähnliche Gitarrenrückkopplung die Songs. Die wohl beste Songwriterin der Republik entwickelt sich immer weiter - langsam aber stetig.